Selbstgepantscht und weggeätzt: Bodylotion mit Salicylsäure selbstgemacht

Hey,

sich ein Säureprodukt für’s Gesicht zu kaufen, ist ja finanziell meist vertretbar. Aber seid Ihr schonmal auf AHA/BHA-haltige Bodylotions und deren Mondpreise gestoßen? Haben andere weniger einzucremenden Körper und finden das nicht so affenteuer wie ich? Ist das so ein Nischenprodukt, das eh kein Schwanz außer mir braucht? Und warum sind die Lotions nicht ordentlich reichhaltig? Fragen über Fragen und ich beschloss letztes Jahr, mich mit diesen Problemen nicht länger rumzuschlagen, mich dieses schwierwiegenden Problems selbst anzunehmen und meine Bodylotion mit Salicylsäure, Milchsäure oder Mandelsäure selbst zu rühren.

Mit Liebe gebraut: Körpercreme mit Salicylsäure, Ölresteverwertung und Niacinamid. Die gelb-orange Farbe kommt von Sanddornfruchtfleischöl

Die Recherchearbeit

Grob gesagt habe ich mich am meisten mit der Wahl des Emulgators und der Konservierung, der Zusammensetzung der Fettphase und der Einarbeitung der Salicylsäure rumgeschlagen. Mittlerweile habe ich aus mangelnder Ölauswahl heraus eine eher schlichte und abwechselnde Fettphase, meist mit viel Sheabutter, Macadamia- und Mandelöl, der Fettanteil meiner Lotionen beträgt um die 30 bis 35%. Als Hauptemulgator verwende ich Emulprot, der allerdings zu puddingartigen Texturen führt, was man mit ein wenig Lamecreme wieder ausgleichen kann. In die wässrige Phase kommt gerne Nicotinamid (= Niacinamid), Sodium PCA und vor allem auch Glycerin und Propylenglykol, letzteres in der Hoffnung, die Löslichkeit der Salicylsäure zu erhöhen. Zur Konservierung nehme ich Rokonsal.

Und wie läuft die Rührerei?

Theoretisch kann man eine Wissenschaft draus machen. Exakte Rezepte mit zig Wirkstoffen und tollen Ölen ausklamüsern und sahnige Emulsionen mit geilem Equipment rühren. Ich hab kein Labor daheim, keinen Dispergierer, kein Geld und auch nicht wirklich die Leidenschaft dafür, ich sehe das pragmatisch. Daher müssen ein kleiner Topf, kleine Messbecher, ne billige Feinwaage (nachdem ich die bestellt hatte, bot mir Amazon Tütchen mit „Blattmotiv“ an :-D) und mein Pürierstab reichen. Ich habe mich auch davon verabschiedet, alles aufs Milligramm genau auszurechnen und dann in der Praxis an diversen Stellen diese Genauigkeiten nicht halten zu können. In meiner Küche wird nicht nach GMP gearbeitet.

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Ready to be zusammengerührt!

Als erstes entwerfe ich ein grobes Rezept und wiege die Fettphase in einen kleinen Topf ein, in dem alles bei niedriger Stufe schmelzen darf. Auch Lamecreme lasse ich gleich in der Fettphase mitschmelzen. Währenddessen koche einmal Wasser auf, lege in einem pürierstabtauglichen Gefäß Glycerin, Propylenglykol und die gewählten wasserlöslichen Wirkstoffe vor. Ist das Wasser aus dem Wasserkocher etwas abgeühlt, fülle ich damit auf den gewünschten Anteil der Wasserphase auf. Als nächstes wird der Emulgator Emulprot in der Wasserphase vordispergiert und sofort danach arbeite ich die wässrige Phase in die Fettphase ein. Alles mangels besserer Alternativen mit dem Pürierstab, zwei Minuten auf voller Knäcke. Danach rühre ich die entstandene Emulsion von Hand weiter bis die erkaltet ist. Fällt euch was auf? Ich achte nicht umständlich auf die Temperaturen der einzelnen Phasen, es gilt eher das Prinzip Hausfrauenfingerspitzengefühl als Laborantengenauigkeit, die Emulsionen vertragen das. Problematischer wird es bei fetthaltigeren W/O-Emulsionen, die zerschießt es einem, wenn die Phasen nicht die gleiche Temperatur haben.

Und wo bleibt die Salicylsäure?

So, da haben wir das Problem. Die kann man ob ihrer Zickigkeit bezüglich des Löslichkeitsverhaltens nicht einfach schon in die wässrige Phase geben. Sie ist nicht wasserlöslich, auch nicht in allen Ölen, aber gut in Ethanol, Ether oder Aceton. Möchte ich alles nicht in meiner Bodylotion verarbeiten, auch wenn Ether fein riecht. Ich setze auf einen 10%igen Anteil Propylenglykol, damit sie in Lösung bleibt und reibe sie direkt in die vorgefertigte Lösung ein. Dafür mösere ich die Säure etwas vor und dann kommt sie in eine Fantaschale (eine Reibschale aus Melamin), wo ich portionsweise die Lotion zugebe und reibe und reibe und reibe und reibe… Das klappt mal gut, mal weniger gut, aber letztendlich konnte ich jede hergestellte Lotion benutzen. Salicylsäure kristallisiert leider aus wie der Teufel und es empfiehlt sich wegen Verätzungsgefahr nicht, Lotionen mit Säurekristallen zu verwenden. Aber pssst, ich hab es trotzdem gemacht und nichts ist passiert.

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Ist die Lotion eigentlich schon fertig, wird die Salicylsäure eingearbeitet, der pH eingestellt und schließlich konserviert.

Achtung! Wenn Ihr unsicher seid im Umgang mit Chemikalien, dann tragt vielleicht lieber ne Schutzbrille und eventuell auch Handschuhe. Falls man Handschuhe trägt, muss man aber aufpassen, nicht alles wild mit den Handschuhen anzudatschen, um später ohne Handschuhe wieder dranzufassen. Das Tragen von Handschuhen gaukelt einem manchmal eine zu große Sicherheit vor. Ich arbeite meist ohne Handschuhe (also auch beruflich), da ich dann merke, wenn ich gesaut hab und die Hände sind schnell gewaschen. Wirbelt die Säure nicht unnötig auf und seid einfach vorsichtig, auch wenn ihr „nur“ Salicylsäure und keine Flußsäure vor Euch habt. 😉

Zu guter Letzt kümmere ich mich um die Konservierung (einfach 5 bis 10 Tropfen pro 100g Lotion) und stelle den pH-Wert mit 80%iger Milchsäure auf etwa drei ein. Da ich nur pH-Streifen zur Verfügung habe und kein pH-Meter, ist das auch nicht sonderlich genau, es tut aber für den Hausgebrauch.

Zur Haltbarkeit noch ein paar Worte: Bisher ist mir auch trotz nicht gerader steriler Umgebung noch keine Lotion gekippt, ich brauche sie immer zügig auf, lagere eine Hälfte im Kühlschrank und Rokonsal plus Salicylsäure scheinen auch an sich gut vor mikrobiellem Befall zu schützen.

Lohnt das?

Ehrlich gesagt schaue ich dabei kaum auf das Geld und habe noch nicht durchgerechnet, ob ich mit Paulas Säurelotion nicht billiger davonkäme. Ich denke es aber bei den exorbitanten Preisen aber eher nicht, dass meine selbstgemachte Alternative teuer ist. Außerdem brauche ich es schlicht und ergreifend pflegender und reichhaltiger, als Paula es mir bietet. Großen Spaß macht mir das Rühren ehrlich gesagt auch nicht mehr, aber es muss meines Erachtens. 😀

Meine Bezugsquellen

Klassiker für Rührdarf sind Behawe und Alexmo. Mit beiden habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. Die Salicylsäure bekommt man auch als Otto Normalverbraucher auf legalem Weg, nichts dubioses, macht Euch einfach mal schlau oder fragt in der Apotheke, wobei das sicher teuer wird.

Weiterführendes

Auf Olionatura findet Ihr unglaublich viele Informationen zu Ölen, Rohstoffen aller Art und auch einen Emulsionsrechner. Eine sehr empfehlenswerte und fundierte Anlaufstelle!

Lesen hier eigentlich PTAs, Pharmazeuten oder so mit, die etwas fachlich wertvollen Input mit reinbringen können? Von Fachseite aus ist meine Vorgehensweise sicher zweifelhaft. Eine Freundin, die ich leider seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe, hat mal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich ihr erzählte, in fertige Bodylotions einfach Urea reinzuschmeißen. 🙂

 

Danke für’s Lesen und macht es gut!

unterschrift

 

 

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